Sonntag, 22. September 2013

Meine Mutter fotografiert in schwarz/weiß

 Ich hab das Fotografieren von meiner Mama. Meine Mama wiederum, die hat das Fotografieren von ihrem Vater. Das Fotografieren war sein größtes Hobby, im Speicher meiner Mutter liegen Berge von alten Koffern und Alben voller Fotos von seinem Leben. Wunderschöne Landschafts- und Städte Bilder, von einem Köln und einem Bonn, die den zweiten Weltkrieg noch nicht erlebt hatten, die Kindheit meiner Mutter und ihrer großen Schwester aus jedem Winkel fotografiert.
 Die alte Bilora Boy, mit der meine Mutter als erstes fotografierte, wird schon seit 1960 nicht mehr hergestellt, sie war damals ihre erste. Mein Großvater fotografierte meistens mit der ersten Rolleiflex, mit der meine Mama immer sehr erfürchtig umging, wenn sie sie benutzen durfte, und einer Voigtländer Prominent. Seine frühen Farbfotos wurden damals in Bonn ausgestellt - es waren mit die ersten, die je fotografiert wurden! Und mein Ur-Großvater hat damals die Geburt der Fotographie, und die erste industriell hergestellte Rollfilmkamera, die Kodak Nr.1 mitbekommen. Dazu müsste ich erwähnen - ich habe meinen Großvater selbst nie kennengelernt, denn er wäre tatsächlich knappe hundert Jahre älter als ich. Und meine Mutter selbst indes hat ihren Opa auch nie kennengelernt - der war mit Jahrgang 1845 nämlich auch knapp hundert Jahre älter als sie. Was mir bleibt, sind allerdings diese unglaublich zahlreichen Geschichten, die, meistens fotografisch dokumentiert, von einem zurückhaltenden und liebevollem Mann erzählen, den meine Mutter über alles geliebt hat.
Jedes einzelne Foto ist für mich ein kleiner Schatz, ein Einblick in eine Zeit vor mir, und bringt mich näher an die Menschen, die vor mir kamen. Das fand ich immer schon verdammt faszinierend. Diese Berge von Erinnerung an eine Zeit, die ich nie miterlebt habe, und die meiner Mutter so wichtig sind. Vielleicht ist das mit ein Grund, warum mir das Fotografieren selbst so wichtig ist - ich möchte meinen Enkeln und Ur-Enkeln irgendwann auch solche Berge von Eindrücken aus meinem Leben und meiner Zeit hinterlassen.
 Und meine Mutter hat mein Leben ebenfalls analog immer begleitet. Von fast jedem Ereignis in meinem Leben und dem meiner Schwestern gibt es dutzende Fotos und liebevoll gestaltete Fotoalben. Bis ich die Tradition überahm, und der Fotoüberschuss nun langsam vor allen Dingen von mir stammt. Und mit meiner Liebe zur Lomo geht dabei der analoge Aspekt bei uns auch erstmal nicht verloren.
 Mein Lieblingsfoto aus den Erinnerungschätzen meiner Mutter ist allerdings ihr Hochzeitsfoto. Auch wenn die Erinnerungen daran sie manchmal schmerzen, denn ihr Mann hat sie viel zu jung als Witwe zurückgelassen, ihr geliebter Vater ist nur wenige Wochen nach Aufnahme dieses Fotos gestorben und die Zeit drumherum war für sie immer sehr turbulent - so liebe ich doch die Geschichte dieses einen märchenhaft schönen Fotos. An dem Tag, der der schönste ihres Lebens sein sollte und sie so furchtbar übermüdet war, weil sie bis 4 Uhr Nachts ihr Hochzeitskleid fertig geschneidert hatte und eigentlich nur ins Bett wollte und so unleidlich, dass der Fotograf sie als "sehr schwierigen Fall" betitelte. Meine hübsche Mama war halt trotzdem immer lieber hinter als vor der Kamera. ;)
Wer noch mehr alte analoge Erinnerungen durchstöbern möchte, sollte schnellstens rüber zu Inkas Blog Blickgewinkelt. Sie hat bei sich aufgerufen, in allen alten Schatullen zu kramen und die schönsten analogen Schätze wieder auszubuddeln. Mir hat das extrem Spaß gemacht - Nostalgie pur beim Durchblicken der eigenen alten Fotos, und ganz viel Bewunderung und Sehnsucht an die Zeit, die ich nie miterlebt habe. Wer noch mitmachen will - die Challenge ist noch ne Weile offen!

Und meine Hockney Foto Challenge übrigens auch! Ich habe gestern ein weiteres gebastelt, das zeige ich euch dann ganz bald, da drauf ist der Freund 12 Mal vertreten, in nur einem Bild, jahaa!

Und noch ein Letztes Ding in eigener Sache: Noch bis einschließlich morgen könnt ihr bei meiner BloGeburtstags-Verlosung teilnehmen, und euch für eine Blogvorstellung bei mir vorschlagen! Dann wird am Dienstag ausgelost!

(Und eine kleine Anekdote zum Entstehen dieses Posts zum Schluss, einfach, weil die hier alle auf meinem Sofa Pipi-in-die-Augen vor Lachen hatten. Ich sitze eigentlich bei jedem Post ratlos rum, um mir einen Post-Titel auszudenken. Die finde ich persönlich immer am schwierigsten, und es passiert schonmal gerne, dass ein fertiger Post mehrere Wochen rumliegt, einfach weil mir kein cooler Name einfiel. So saß ich auch heute wieder rätselnd da, und fragte ganz hoffnungsvoll den Freund und den Obdachlosen auf der Couch (einer meiner engsten Freunde pennt derzeit bei uns. Alle diese Berlin-Zuzieher!) nach Ideen und Vorschläge für meinen Analogen Erinnerungs Post. AnalEr-Po war der allgemeine Liebling, sie haben sich nicht mehr eingekriegt. Und der Zusatz "Die Quelle für den größten Scheiß." machte es nicht besser. Seufz. What I have to put up with.)

Kommentare:

  1. Anal-ErPo ist super! Aber ich möchte nicht wissen mit welchen fragwürdigen Sucheinträgen man(n) dann bei dir gelandet wäre.
    Ich muss glatt ein bisschen rechnen, meine Mutter ist 1960 geboren und ich nehme mal an, das ich ein wenig älter bin als du. Deine Mutter ist dann auch schon älteren Jahrgangs, oder?
    Sehr schöne Bilder, tolle Geschichte. Ich habe meinen Großvater mütterlicherseits auch nie kennengelernt, er starb 8 Jahre vor meiner Geburt.
    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Haha, ja... in meiner Familie ist es anscheinend Tradition, auch noch ganz spät Kinder zu kriegen. Ich werde den Jahrgang meine Mama aber nicht expliit hier posten, das hab ich ihr versprochen ;)
      Gaaaaaanz ganz liebste Grüße an dich, meine liebe Mella!!

      Löschen
  2. Oh Julie, hab grad ein bisschen Schnappatmung bekommen - das ist ja total irre, wie super spannend, wie genial! Und übrigens genau der Grund, weshalb ich gleich mehrere Posts zugelaaen habe, ich bin sicher, da finden sich noch die unglaublichen Schätze bei Dir. Auch ein einziges Foto ist sicher mal interessant. Achmensch, toll, ich liebe diese Fotos und solche Geschichten und bin grad ganz happy, dass so ein feiner Post bei mir verlinkt ist. :)
    Diese frühen Farbfotos, hast Du die denn? Ach, ich wär so neugierig...
    Was die Hockney-Challenge übrigens angeht, da muss ich vor meiner nächsten Reise passen, ich bin so dermaßen zu mit Arbeit... Aber ich hab schon überlegt, ob ich nicht ein geeignetes Objekt in Israel finde. Vielleicht kann ich mich ja dann noch beteiligen.
    Ganz liebe Grüße und noch größeres Dankeschön für diesen tollen Beitrag,
    Inka

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ach gott, inka, da bin ich ja richtig gerührt! Es hat mir aber auch richtig, richtig Spaß gemacht, dieses Sichten all der alten Sachen. Zwei der alten ersten Farbfotos hab ich auch spontan gefunden, und ich bin auch bald mal wieder bei meiner Mama, die lässt mich bestimmt hoch auf ihren Speicher :)
      UND JAAAA! JAJAJA! Ein Hockney aus Israel! Oh bitte! Oh bitte bitte bitte!!

      Löschen
  3. oh.... das ist aber ein schöner teil familiengeschichte... danke fürs teilen :)

    AntwortenLöschen
  4. Boah, ist das schön! Die alten Fotoschätze reizen mich auch. Wenn du da mal Fahrradbilder sichten solltest... - ähm, ja: da wär ich wirklich seeeehr dran interessiert! Über einen Gastpost von dir würd ich mich dann freuen wie bekloppt...
    Meld dich einfach, wenn du was passendes hast: diefahrradfrau@gmail.com
    LG
    Christiane

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. haha, ich werde mein Bestes tun und dir Bericht erstatten ;)

      Löschen